Der FC St. Pauli beginnt am kommenden Sonntag die Zweitliga-Saison. Wohin geht die Reise? Das ist schwer vorherzusagen. Einen vollständigen Umbau hat es jedoch nicht gegeben nach dem Abstieg aus der Bundesliga. Absteiger aus der Bundesliga werden in der Regel von Experten und Trainern als aussichtsreichste Aufstiegsanwärter in der Zweiten Liga genannt – obwohl eine direkte Rückkehr nur den wenigsten Vereinen gelingt.
Beim FC St. Pauli dürfte in dieser Saison jedoch kaum jemand darauf setzen, dass der Kiezklub um einen der ersten drei Plätze mitspielt, zu schwach präsentierte sich das Team in der Schlussphase der vergangenen Saison. Trotzdem haben die Hamburger keinen radikalen Umbau vorgenommen. Einige Leistungsträger haben den Verein verlassen, lediglich vier Neuzugänge wurden bislang verpflichtet – und in Marcel Rapp ein neuer Trainer, der seine Aufgabe optimistisch angeht.
"Ohne die Abgänge herunterspielen zu wollen, tut es gut, neues Blut zu bekommen. Wir haben eine neue Aufgabe vor uns, auf die wir uns alle sehr freuen", sagte er zuletzt auf der Website des FC St. Pauli.
Neuzugang Hrgota ein Schlüsselspieler
Der Nachfolger von Alexander Blessin soll wieder Schwung in die Mannschaft bringen und für offensiveren Fußball sorgen. Die jüngsten Eindrücke, wie beim 2:2 im Testspiel gegen Deportivo A Coruña am Samstag, sind durchaus positiv. Rapp stellt offensiver auf als Blessin und ließ auch gegen "Depor" mit zwei Stürmern und Neuzugang Branimir Hrgota als "Zehner" spielen. Der Routinier, der von Greuther Fürth ans Millerntor gekommen ist, könnte sich mit seiner Übersicht und Spielintelligenz als wichtigste Verstärkung erweisen.
Startelf für Saisonauftakt steht
Einen Platz in der Startelf für den Auftakt gegen seinen Ex-Verein Fürth am kommenden Sonntag (13.30 Uhr, im NDR Livecenter) hat der 33 Jahre alte Schwede sicher. Ohnehin scheint mit Blick auf die jüngsten Testspiele die Elf für die erste Ligapartie festzustehen. Die Abwehrreihe besteht aus Tomoya Ando, David Nemeth und Neuzugang Marcus Mathisen. Arkadiusz Pyrka und Louis Oppie bilden das Außenverteidiger-Duo. Joel Fujita und Mathias Rasmussen besetzen das defensive Mittelfeld. Im Angriff führt kein Weg vorbei an Martijn Kaars, der einer der großen Gewinner von Rapps Systemumstellung werden könnte, nachdem er einen schweren Stand unter Blessin hatte. Der Niederländer ist der torgefährlichste Spieler im St.-Pauli-Kader und fühlt sich deutlich wohler in einem Zwei-Stürmer-System und mit einem klassischen "Zehner" wie Hrgota.
Was passiert noch bis zum Transferschluss?
Noch keine Rolle dürften am ersten Spieltag die WM-Teilnehmer Jackson Irvine und Conor Matcalfe (beide Australien) sowie Eric Smith (Schweden) spielen. Ob das Trio tatsächlich bleibt? Wie viele personelle Veränderungen es bis zum Transferschluss am 1. September noch geben wird, ist schwer vorauszusagen. Ebenso, was vom FC St. Pauli in dieser Spielzeit zu erwarten ist. Nach den frustrierenden letzten Bundesliga-Monaten geht es auch darum, wieder für Begeisterung und Optimismus bei den Fans zu sorgen – und zu verhindern, dass die Mannschaft erneut in einen Negativstrudel gerät. Denn ein solider Mittelfeldplatz sollte mit dem aktuellen Kader allemal möglich sein. Höhere oder deutlich höhere Ziele dürften nur bedingungslose Träumer haben.
