Die Ultrà Sankt Pauli, die größte und einflussreichste aktive Fangruppe des FC St. Pauli, hat mehrere Mitglieder nach schweren Gewaltvorfällen ausgeschlossen. Die Gruppe machte die Vorfälle, die sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt sowie Machtmissbrauch umfassen, jetzt öffentlich.

Die Ultras veröffentlichten am Dienstag eine Erklärung, in der sie die Taten scharf verurteilten. „Jede einzelne dieser Taten verurteilen wir auf das Schärfste. Sie sind widerwärtig, verachtenswert, machen uns fassungslos und unendlich wütend“, sagte Ultrà Sankt Pauli. Die Gruppe übernimmt die Verantwortung dafür, dass Mitglieder ihres eigenen Verbands diese Taten begangen haben. Die Vorfälle wurden während der Sommerpause bekannt.

Welche strukturellen Probleme benennen die Ultras?

In ihrer Selbsterklärung räumt die Gruppe tiefgreifende strukturelle Mängel ein. Die Ultras gestehen, dass sie in einem Umfeld agieren, das übergriffiges Verhalten begünstigt. „Uns ist bewusst, dass wir als Ultràgruppe in einem Umfeld agieren, das strukturell auf der einen Seite übergriffiges Verhalten begünstigt“, so die Gruppe. Dies gelte selbst für eine progressive und linksgerichtete Ultra-Gruppe wie die ihre.

Die interne Analyse ergab, dass ein Fokus auf Leistungsdenken und Loyalität, Machtgefälle sowie ein fragwürdiges Männlichkeitsverständnis die Aufarbeitung behinderten. Diese blinden Flecken hätten Schaden verursacht und Vertrauen verletzt. Die Gruppe betonte, sie habe die Täter trotz jahrelanger Bekanntschaft und gemeinsamer Zeit nicht daran hindern können, zu Tätern zu werden.

Wie reagiert der FC St. Pauli auf die Vorfälle?

Bislang ist noch nicht bekannt, wie der Zweitligist FC St. Pauli offiziell auf die Enthüllungen seiner einflussreichsten Fangruppe reagieren wird. Die Ultras haben die Fälle zunächst intern behandelt und mehrere Fans dauerhaft aus ihrem eigenen Verband ausgeschlossen. Welche rechtlichen Konsequenzen die Vorfälle nach sich ziehen, ist ebenfalls noch unklar.

Der Verein steht unterdessen vor einem wichtigen Heimspiel. Am 30. August empfängt der FC St. Pauli den 1. FC Kaiserslautern. Die Mannschaft von Trainer Fabian Hürzeler befindet sich nach zwei Spieltagen auf dem 14. Tabellenplatz der 2. Bundesliga mit zwei Punkten aus zwei Unentschieden. Die aktuelle Form wird mit DD angegeben, die Torbilanz steht bei 3:3. In der Tabelle klafft bereits eine Lücke von sieben Punkten zum Spitzenreiter Hertha BSC.

Was bedeutet das für die aktuelle Saison?

Die Enthüllungen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt für den Verein. Die Mannschaft sucht nach dem Saisonstart noch nach ihrer ersten Siegesserie. Die nächsten Spiele, die auf unserem Fixtures Seite zu finden sind, werden zeigen, ob die Ereignisse die Stimmung im Umfeld beeinflussen.

Die Ultras betonen, dass sie die strukturellen Defizite angehen wollen. Die öffentliche Thematisierung soll ein erster Schritt sein, um Vertrauen zurückzugewinnen und künftige Vorfälle zu verhindern. Für den FC St. Pauli, der sich stets als weltoffener und fortschrittlicher Verein präsentiert, stellen die Vorfälle in den eigenen Reihen eine besondere Herausforderung dar. Die Entwicklung der Tabelle lässt sich auf unserer Standings Seite verfolgen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, wie der Verein mit der Situation umgeht und ob die geplanten internen Reformen der Ultras greifen. Die Mannschaft muss sich nun auf das sportliche Geschehen konzentrieren, beginnend mit dem Heimspiel gegen Kaiserslautern. Die Personaldecke kann auf unserer Squad Seite eingesehen werden.