Die einflussreiche FC St. Pauli-Fangruppe 'Ultrà Sankt Pauli' hat diese Woche Übergriffe in den eigenen Reihen öffentlich gemacht. Die Gruppe veröffentlichte Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt und schloss mehrere Fans dauerhaft aus.
Die aktuelle Saison hat für den FC St. Pauli mit zwei Unentschieden begonnen. Das Team steht mit zwei Punkten auf Platz 14 der 2. Bundesliga und hat in den ersten beiden Spielen drei Tore erzielt und ebenso viele kassiert. Die nächste Gelegenheit, Punkte zu holen, bietet das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am 30. August.
Was hat die Ultrà-Gruppe bekannt gegeben?
Ultrà Sankt Pauli, die sich selbst als größte und einflussreichste Gruppe in der aktiven Fanszene des FC St. Pauli beschreibt, wurde während der Sommerpause auf schwere Vorwürfe aufmerksam. Die Gruppe gab bekannt, dass sie mehrere Mitglieder nach internen Untersuchungen dauerhaft ausgeschlossen hat. Die bekanntgewordenen Fälle umfassen sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt sowie Machtmissbrauch.
Die Gruppe räumte ein, dass sie die Täter teilweise über viele Jahre kannte und unzählige Stunden mit ihnen verbracht hat. "Obwohl wir diese Personen teils über viele Jahre hinweg gekannt und mit ihnen unzählige gemeinsame Stunden verbracht haben, konnten wir nicht verhindern, dass sie zu Tätern werden", hieß es in einer Stellungnahme. Eine Analyse der Vorfälle habe strukturelle Defizite und blinde Flecken innerhalb der Gruppe aufgezeigt.
Welche strukturellen Probleme wurden benannt?
Ultrà Sankt Pauli erkennt an, in einem Umfeld zu agieren, das problematisches Verhalten begünstigen kann. "Uns ist bewusst, dass wir als Ultràgruppe in einem Umfeld agieren, das strukturell auf der einen Seite übergriffiges Verhalten begünstigt und auf der anderen Seite dessen Aufarbeitung sowie Aufklärung erschwert", erklärte die Gruppe. Leistungsdenken, Loyalität, Machtungleichgewichte und ein fragwürdiges Männlichkeitsverständnis spielten in dieser Subkultur eine zentrale Rolle.
Die interne Aufarbeitung der Vorfälle ist noch nicht abgeschlossen. Es ist bisher nicht bekannt, welche potenziellen rechtlichen Konsequenzen die bekanntgewordenen Fälle haben werden. Auch die Reaktion des FC St. Pauli als Verein steht noch aus. Der Klub muss sich derzeit auf sportliche Aufgaben konzentrieren und liegt in der Tabelle sieben Punkte hinter dem Spitzenreiter Hertha BSC.
Wie geht es für den FC St. Pauli weiter?
Die Offenlegung der Vorfälle durch die eigene Fanszene stellt den FC St. Pauli vor eine neue Herausforderung abseits des Platzes. Während sich das Team auf das wichtige Heimspiel gegen Kaiserslautern vorbereitet, muss der Verein auch eine Position zu den internen Vorgängen bei einer seiner wichtigsten Fangruppen finden. Die Entwicklung der Ligaplatzierung kann auf unserer Standings Seite verfolgt werden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie der Verein mit der Situation umgeht. Für die Fans und die betroffenen Personen steht die vollständige Aufklärung der Vorfälle im Vordergrund. Der FC St. Pauli steht mit zwei Punkten aus zwei Spielen am Anfang einer langen Saison, in der jede Unterstützung zählt. Den kompletten Spielplan finden Sie auf unserer Fixtures Seite.
